Tag 7: Im Land der weißen Berge

Der heutige Tag war ein reiner Biker-Traum. Mein Navi hatte eine tolle kurvige, meist leere Strecke ausgewählt, das Wetter zeigte sich extrem Biker-freundlich (Sonnenschein, aber nicht zu warm…). Ein wahrer Genuss…

Nach dem Start in Leipzig passierte ich – eher zufällig – das Völkerschlachtsdenkmal. Wenn man schon einmal da ist, dann kann man ja auch einen Blick darauf werfen. Immerhin handelt es sich mit 91 m Höhe um das größte Denkmal Europas. Dem Besucher bietet sich letztlich ein großer schwarzer Klotz, der an Eleganz und Schönheit so einiges vermissen lässt. Das Ding ist einfach nur brachial, klotzig und unglaublich häßlich. Gut, damals war eine andere Zeit – und man kann den Steinhaufen eine gewisse Imposanz nicht absprechen. Aber ich denke, dass man auf dem Areal besser ein paar Sozialwohnungen bauen könnte. Man dürfte auch gern dazu die Steine des Protzbaus verwenden.

Völkerschlachtsdenkmal, Leipzig

Nach Bildung meines Urteils bezüglich dieser architektonischen Scheußlichkeit ging es dann auf die Straße gen Westen. Als Ziel hatte ich Fulda ins Navi eingegeben. Das war kein festgesetztes Ziel, aber mehr oder weniger in gerader Linie von Leipzig nach Westen. Das Navi machte seine Sache gut und plante eine durchaus launige, zum Teil sogar anspruchsvolle Route. Und wieder Erwarten war auf den Straßen auch recht wenig los. Leider muss man einmal mehr bemerken, dass zwar der Fahrspaß nicht zu kurz kam, dafür aber die Umgebung alles andere als hübsch zu nenen ist. Die durchfahrenen Orte waren keine Augenweide, außerhalb hellbraune Felder bis zum Horizont. Wirklich öde…

Aber so lange die Straße gut, die Kurven zahlreich und die Autos nur sporadisch vorkommen, ist das doch schon eine Garantie für Fahrspaß.

Als Motorradfahrer grüßt man sich untereinander im Allgemeinen. Das tun wohl andere Gruppen auch, z. B. Alfa-Fahrer, Soldaten in Uniform oder auch – wie ich gehört habe – Frauen über 1,85 m. Bei Motorradfahrern eben auch, wobei bestimmte Untergruppen dies nicht sonderlich konsequent umsetzen (z. B. einige Harley-Fahrer, die zwar andere Harley-Fahrer grüßen, Fahrer andere Marken aber nicht…). Motorradclubs – zumindest die bösen und berüchtigten (oder die, die sich dafür halten) – grüßen eigentlich nie. Ignoranz oder ggf. ein böser Blick sind dann alles, was man auf seinen Gruß zu erwarten hat. Da ich aber nun einmal grundsätzlich Mopped-Fahrer grüße (z. T. auch Rollerfahrer…ja, ich weiß, dass man das nicht macht…), gerät meine Hand halt auch ins Winken, wenn ein Tross böse guckender Outlaws entgegen kommt. Heute passierte dies erneut. Eine Rotte mit Kutten, Vereinsabzeichen und Sonnenbrillen böse dreinschauender Rocker rollte mir entgegen. Reflexartig gitt meine linke Hand vom Lenker und formte sich zum Gruß (dieser ist übrigens nicht genormt, jeder macht sein eigenes Ding – bei mir bilden Zeige- und Mittelfinger ein seitliches V…). Sogleich bereute ich die Geste, da würde ja ohnehin nix kommen. Doch weit gefehlt. Die Horde dehte richtig auf, winkte, johlte und hupte. Na toll, jetzt fühlte ich mich etwas verarscht…

Nur ein Beispiel…

Nachdem ich letztlich den Großteil der Strecke geschafft hatte, fielen mir am Rande meiner Route zwei weiß strahlende Berge auf. Ein Abstecher zu diesen Eyecatchern brachte dann die Erklärung für dieses Phänomen. Es handelte sich um Kaliabraumhalden. Kalisalz wird zu Dünger verarbeitet. Bei der Gewinnung einer Tonne Kalisalz werden mehrere Tonnen Kochsalz als Abfallprodukt mit gefördert. Dieser Abfall wird zu diesen Kali-Bergen aufgehäuft. Im Falle des von Einwohnern sogenannten „Monte Kali“ (oder auch „Kalimandscharo“) als größten seiner Art handelt es sich um ein gut 200 m hohes Ungetüm von gut 200 Millionen Tonnen Gewicht. Mit seiner Höhe überragt dieses künstliche Gebirge die höchste natürliche Erhebung meines Heimatlandes Schleswig-Holstein um mehr als 30 m…

So, mittlerweile bin ich in Fulda in einem wirklich seeeehr netten Hotel angekommen (Hotel Platzhirsch – richtig stylisch, sehr gut ausgestattet und tolles Personal). Auf der Fahrt hierher habe ich festgestellt, dass Fulda eine recht hübsche Stadt sein muss. Allerlei imposante Bauwerke verschiedener Epochen fallen sofort ins Auge. Sollte man sich mal näher angucken.

Morgen soll es eigentlich durch die schöne Rhön gen Norden gehen, danach durch das Weserbergland weiter nach Westen. Dann gucken wir weiter. Einige Ideen habe ich im Kopf, aber die sind noch nicht endgültig geplant…

Ach ja, Fotos sind heute erneut Mangelware. Gelegenheiten gab es nur wenige…sorry…

In diesem Sinne…

#moppedtour2018

Monte Kali / Kalimandscharo, Heringen (Werra)
Kali Berg „Philippstahl“, Unterbreitzbach (Werra)

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