Nach den letzten, doch mit Eindrücken überfrachteten Tagen, sollte es diesmal einen etwas ruhiger zugehen. Ein kleiner Spaziergang durch Norrköping war geplant, danach dann die Weiterfahrt ins Astrid Lindgren-Land.

Vor die Exkursion hat der liebe Gott allerdings das Frühstück gesetzt – und somit wurde sich erst einmal am gewohnt guten schwedischen Frühstück gestärkt. Freundlicher Weise wurde uns seitens des Hotels gestattet, die Moppeds noch in der Tiefgarage zu belassen – und man bot uns darüber hinaus noch die Möglichkeit, uns später noch umzuziehen, so dass wir den Stadtspaziergang nicht im Motorradleibchen, sondern ganz normal in Zivil vornehmen konnten.
Norrköping ist mit knapp 140.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt Schwedens. Ursprünglich eine Industrie- und Arbeiterstadt, bekannt für die Tabak- (hier in erster Linie „Snus“, eine Art von „Oraltabak“…was auch immer das ist… 🤷♂️) und der Zuckerindustrie (…die Schweden lieben es ja süß…), gewann ab Beginn des 19. Jahrhunderts die Textilindustrie zunehmend an Bedeutung. Die wachsende Industrialisierung prägte dann auch die Architektur der Stadt. Das ging dann auch eine Zeitlang ganz gut, bis dann Mitte des 20. Jahrhunderts die Textilstruktur krachend den Bach runterging, was der Stadt dann nicht richtig guttat. Man machte das Beste daraus, schob seitens des Staates einige staatliche Behörden in die nun freien Fabrikgebäude ab, schuf eine StartUp- und Tech-Szene, die ebenfalls in die Industrieklötze zog und etablierte einige Institutionen die etwas mit Kunst zu tun haben (Museen mit Kunstsammlungen, eine Filmhochschule, ein Kunstwerk aus Kakteen im Stadtpark…). Das Übliche eben…

Tja, was soll ich sagen? Um Herrn Goethe zu zitieren: „Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust.“

Die Stadt ist grundsätzlich erstmal nicht klassisch schön. Die zumeist klotzigen Industriebauten sind weder hübsch anzuschauen, noch bieten sie architektonische Schmankerl. Dazu verwandeln sie die sie durchziehenden Straßen in dunkle Schluchten.
Aaaaber, man hat sich viel Mühe gegeben und die Gebäude aufwändig herausgeputzt. Da es in der Stadt viel Wasser gibt, wurden viele Stege und Brücken installiert, auf denen man direkt am/über dem Wasser durch das Industrieviertel schlendern kann – und das ist toll!

Außerdem zeigte sich die Stadt recht quirlig und bot – gerade bei unserer Fika – allerlei Kurzweil.
Skurriler Weise scheint das Angeln hier zum Schulunterricht zu gehören. Zumindest trafen wir auf eine Horde Jugendlicher in Schulklassengröße, die ausgestattet mit Angelruten (alle mit der gleichen) die Ufer der Wasserläufe bevölkerten. Zu beobachten, was passiert, wenn ein hübsch herausgeputzter Teenie einen Fisch aus dem Wasser zieht, um sich dann unbeholfen schreiend zu weigern, das zappelnde Etwas am Haken anzufassen, war tatsächlich ganz lustig – nur nicht für den armen, kleinen Barsch, der es dann letztlich auch hinter sich hatte…

Da wir ja im Urlaub weilen, haben wir uns den Besuch des „Museum der Arbeit“ übrigens gespart… 😉
Nach unserem Rundgang ging es dann zurück ins Hotel. Der Einfachheit halber zogen wir uns in der Tiefgarage um. Zum Glück kam gerade kein Auto, boten wir doch in Unterhosen herumhüpfend sicher ein recht lustiges Bild…
Die anstehende Tour in die Heimat von Astrid Lindgren war einmal mehr ein großer Genuss. Auf den Navis die Option „kurvige Strecke“ ausgewählt, wurden wir über herrlich gewundene kleine Straßen gelotst, die uns viel Freude bereiteten. Kleine Holzhäuschen im Wald, immer wieder Seen jeglicher Größe und dazwischen kleine Dörfer, wo die Zeit stehengeblieben scheint. Sehr schön…

In Vimmerby, der Geburtsstadt Lindgrens, hatten wir uns diesmal als Quartier für eine Ferienwohnung entschieden. Diese bot bei kleinem Preis großen Komfort.
Der große Fernseher lud zum Filmabend ein und so wurde zur Abendunterhaltung eine neu auf Netflix erschienene Miniserie namens „Cassandra“ gewählt:

Um es kurz zu machen: Klang spannend, war es nicht – nach vier Folgen abgebrochen. Also, spart es Euch.
In diesem Sinne…
