Zwar hatten wir auf unserer Reise nachts ab und an mal Regen, erstmaligl hielt dieser aber auch am Morgen noch an. Dafür war der Weg zum Frühstück nicht ganz so weit, erstreckte sich der Frühstücksraum doch direkt vor meiner Zimmertür, so dass ich quasi in ihm übernachtet hatte – und somit hatte ich meinen Morgenstuhl nur knapp 50 cm vom Wurst- und Käse- Buffet entfernt abgesondert – immerhin durch eine dünne Wand getrennt…😝
Da unser Hotel – ich glaube, ich erwähnte es schon – nur wenige Meter vom Markt entfernt lag, spazierten wir dann entspannt bei Nieselregen los, um die Stadt auf den Spuren von Ystads bekanntestem Sohn zu erkunden: Kurt Wallander.
Herr Wallander, seines Zeichens fiktiver Kommissar aus der Feder des Autoren Henning Mankell, der in 11 Romanen agiert, hat seinen Lebensmittelpunkt im Städtchen Ystad, das durch ihn eine erheblich gesteigerte Aufmerksamkeit erlangt hat. Vermutlich ist Wallander durch Bücher und dazugehörige Filme auch den meisten meiner treuen Leser bekannt.

Wir holten uns in der Touristeninformation einen kostenlos Plan ab, der uns auf einen Spaziergang zu verschiedenen Locations mit Wallanderbezug führen sollte. Da die Lektüre der Bücher bei mir schon etwas zurückligt und ich tatsächlich noch keinen der Filme gesehen hatte, fiel es mir nicht immer einfach, den Bezug zu den einzelnen Punkten herzustellen, was der Kurzweil unseres Spaziergangs aber keinen Abbruch tat. Nachdem wir am Wohnhaus Wallanders passiert hatten, welches sich gemäß der Bücher in der Mariagatan 10 befindet (in den Filmen wurden allerdings andere Häuser genutzt, die „fotogener“ waren… 😉), …

…führte uns der Weg zu den Ystad-Studios, in denen die meisten der zugehörigen Filme gedreht wurden. Einige Sets wie Wallanders Wohnzimmer, sein Büro und andere Räume der Polizeibehörde konnten begangen werden, es gab einige Bilderwände, ein paar Spielereinen ohne Wallanderbezug wie Requisiten aus der grandiosen Serie „Die Brücke“ und einem Green Screen, mit dem man sogar herumspielen konnte (Verkleidungen waren vorhanden). Alles in Allem ganz hübsch gemacht.

Durch die recht quirlige Einkaufsstraße ging es dann zurück zum Markt, vorbei am Hotel „Continental“ (da isst und trinkt Wallander gern), an seiner Stamm-Pizzeria „Bröderna M“ und natürlich an „Fridolfs Konditori“, wo wir es uns nicht nehmen ließen, einen Kaffee und eine Zimtschnecke zu genießen (war ja Fika-Zeit 😜). Das Kult-Café ist schon etwas in die Jahre gekommen und wirkt – Herrn Wallander angemessen – ein wenig „verlebt“. Besonders der Toilettenbesuch stellt einen auf eine harte Probe – was wohl auch die eigens erfundene, krachend süße Wallander-Torte in Polizeiblau geschmacklich tun soll. Daher blieben wir bei den im Buch erwähnte Zimtschnecken…


Während wir vor dem Café sitzend unsere Leckereien genossen, konnten wir am gegenüberliegenden Toilettenhäuschen eine öffentliche Wasserversorgungsstelle beobachten, die uns durch allerlei skurrile Begebenheiten blendend unterhielt: Während wir anfangs staunend beobachteten, wie Leute mitgebrachte Behältnisse (Kanister, Wassersäcke…) mit zig Litern Wasser füllten, steigerte eine öffentlich abgehaltene Wäsche einer mitgebrachten Jeans durch eine junge Dame und ein parallel außen ans Toilettenhäuschen urinierender Passant die Skurrilität noch. Naja, es heißt doch so schön: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“.
Während wir da so saßen und aus den Augenwinkeln das Treiben am Toilettenhäuschen verfolgen, wurde dann die Planung für den nächsten – und letzten – Tag besprochen. Eigentlich war Malmö als letztes Ziel gesetzt, bevor es dann am Tag darauf wieder in die Heimat gehen sollte. Nun hatten wir ja schon einige Städte gesehen und mit Göteborg auch eine Großstadt, so dass wir uns fragten, ob man denn Malmö als erneute Großstadt unbedingt sehen müsste. Unsere Vorliebe war ja eher das Kleine und Gemütliche. Ein wenig gestöbert – und Lund als interessant auserkoren. Neben der geradezu überschwenglichen Beschreibung in verschiedenen Reiseführern, gab es auch einen leichten Bezug zu Wallander, der im Zuge seiner literarischen Ermittlungen das eine oder andere Mal dort weilte.

Also war auch das letzte Ziel gesetzt. Auf dem Weg dorthin sollte mit Smygehuk noch der südlichste Punkt Schwedens angelaufen werden.
Leider verschlechterte sich das Wetter, so dass wir Ystad dann einige Zeit später bei strömenden Regen verließen. Klingt jetzt unschön, war aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir die bisherige Zeit fast durchgehend mit Sonnenschein verwöhnt wurden, jetzt auch kein Drama.
Die Strecke nach Smygehuk führte uns direkt am Meer entlang, was trotz des Regens wirklich herrlich war. Smygehuk selbst besteht aus einem Parkplatz (zur Freude des besten Mitfahrers von Allen sogar mit einer speziellen Motorrad-Sektion) , einem kleinen Yacht- und Fischereihafen, einem Leuchtturm und einem Stein, der besagt, dass man in Smygehuk ist.
Bei schönem Wetter sicher herrlich, bei Regen immerhin ganz nett. Also, Blick auf den Hafen, kurzer Marsch zu Gedenkstein und Leuchtturm, Katze streicheln – und weiter geht’s…

Kurz darauf klarte dann der Himmel wieder auf – und als wir an unserem Hotel im Industriegebiet von Lund ankamen, schien bereits wieder die Sonne.

Das Hotel war in Ordnung, der vorhandene Fahrstuhl witzig – hatten wir es doch mit einem Cabrio-Aufzug zu tun… 🤣🤣🤣🤣
Den Abend beschlossen wir dann – dem Tag angemessen – mit einem Wallander-Film. Die Wahl fiel auf die in Ystad gedrehte BBC-Produktion „Mittsommermord“ mit Kenneth Branagh.

Guter Film!
In diesem Sinne…

Also sozusagen Wallawood ?😜
👍