Maltes Großbritannien-Tour – Überführungsfahrt

Die Abfahrt war für den 25.05.2022 geplant. Naja, eigentlich ja schon ein paar Tage vorher, was aber durch Lieferschwierigkeiten eines Medikamentes (ja, da kümmert sich der Abenteurer von heute natürlich erst drei Tage vorher drum…) und einem Anflug von Migräne dann doch etwas verzögert wurde…ja, eigentlich auch völlig egal. Also den ohnehin durch Kopfschmerz verdorbenen Dienstag mit Packen verbracht (eine völlig doofe Aufgabe, ich hasse das – und kann es trotz zig Jahren Erfahrung als Mitglied des fahrenden Volkes auch nicht…), um dann – wie erwähnt – Mittwochmorgen früh auf die Bahn zu kommen.

Der Geist war willig, das Fleisch war schwach…nee, umgekehrt…obwohl…eigentlich war nix willig, dafür beides schwach…

Erst verpennt, dann noch einmal einiges umgepackt, da dann doch noch einiges fehlte bzw. ausgetauscht wurde. Dann ein Hilferuf der Nachbarinnen, große Versammlung in bester Ohnsorg-Theater-Tradition im Treppenhaus, weil der Restmüll nicht abgeholt wurde. Leute, was geht mich das an, ich bin doch sowieso erstmal nicht da. Ja, aber wenn Sie anrufen, dann passiert wenigstens was…haaaaach, also noch beim Vermieter angeklingelt, dass unser Müll nicht abgeholt wurde, weil – so informierte ein Zettel am Container – das Müllauto den Müllcontainer nicht als relevant erkannt hätte (was es alles gibt). Ja, da müsse man mal gucken…gucken Sie, ist mir – ehrlich gesagt – Wurst…

Dann noch dies und jenes (wo ist der Reisepass, warum finde ich nur einen Schuh, war die Regenjacke immer schon so widerspenstig…) …bis es endlich losging, war es dann 13:30 Uhr – und ich schon völlig genervt und gestresst.

Um noch (Ersatz-)Spanngurte, eine Batterie und einen USB-Adapter für das Aufladen des Handys zu erstehen, wollte ich dann noch schnell beim Mopped-Zubehör-Höker Louis in HH vorbeikradeln. Natürlich sollte ich wissen, dass es in Hamburg in der Woche verkehrstechnisch mit „schnell“ niemals etwas wird. Das Drama zog sich schließlich über 3 Stunden hin, vom Erreichen der Stadt Hamburg und dem Verlassen ebendieser (= Erreichen der anderen Elbseite, Kurs Bremen). Immerhin nun komplett ausgestattet.

Vom Etappenziel Papenburg (liegt so schön direkt vor der holländischen Grenze) war ich zwischenzeitlich abgekommen – und erkor Bremen zu meinem neuen Ziel. Auch vom Vermeiden von Autobahnen nahm ich Abstand und brummte dann entspannt die A1 entlang bis Bremen. Das Hotel verdient keinerlei Erwähnung (weder positiv noch negativ). Ich konnte schlafen – und gut.

Zum Schlafen reicht es…

Am nächsten Morgen stand dann die optimistische Idee, bis nach Calais zu kommen. War natürlich völlig albern – vor Allem, wenn man sein Garmin walten lässt. Das Navi zeigt sich ab und an sehr kreativ und knobelt lächerlichste Routen aus – gerade so, als wenn es Schabernack mit einem treiben möchte.

Nach wildesten Zickzack-Touren kreuz und quer durchs Münsterland war dann abzusehen, dass ich es auch nicht im Geringsten in die Nähe des Franzosen-Staates schaffen würde. Also noch ein Zwischenstopp in der Nähe von Duisburg eingelegt. Hier ließ ich es mir dann bei einem Filettopf mit Pfeffersauce gutgehen, bevor ich mein müdes Haupt zur Ruhe bettete.

Wer also jemals im Örtchen Rhede ein Hotel sucht, der kann guten Gewissens das Hotel „Alte Post“ in Betracht ziehen:

https://www.hotel-elbers.de/

So, jetzt aber. In der Tat schaffte ich es, früh den Boxer zu starten – und ab ging es Richtung Calais. Durch vier Länder führte mich der Weg. Holland durchquerte ich rein auf Landstraßen, was aber nur wenig erbaulich war, da diese kaum Kurven boten und durch furchtbar öde Landschaften führten.

Tja, könnte auch Dithmarschen sein…

Belgien hingegen bot mir auf der ersten Hälfte eine Strecke nur durch Ortschaften an – damit meine ich wirklich NUR durch Ortschaften, da diese lustig ineinander übergehen und man somit den Eindruck hatte, durch eine einzige große Stadt zu fahren (ähnlich schlimm wie im Ruhrpott…).

Völlig angeödet wechselte ich dann auf die Autobahn, da diese mich dann zumindest etwas schneller vorankommen ließ. Auch, wenn die Belgier auf der Autobahn geradezu lebensgefährlich agieren: Da wird gerast (an die 120 km/h hält sich keiner, ich wurde mehrfach mit mindestens 200 überholt…), gedrängelt, gedroht, gehupt…

Ein Wunder, dass ich es unversehrt geschafft habe. Um kurz vor 20 Uhr erreichte ich tatsächlich Calais mit seinem Fährhafen. Eine sehr nette französische Dame teilte mir dann mit, dass ich die Fähre um 23:00 Uhr Richtung Dover nehmen könnte. Da im Umkreis von 50 km kein bezahlbares Hotel verfügbar war – und ich den Franzosen ohnehin keinen meiner hart verdienten Euros gönne – willigte ich ein. Zwar hatte das den Nachteil, dass ich über zwei Stunden warten musste, aber gleichzeitig den Vorteil, dass nur wenig ähnlich Bekloppte mit mir auf die Überfahrt warteten.

Ich durfte tatsächlich als erster auf die Fähre, hatte ein komplettes Parkdeck für mich. Aufgrund der späten Zeit gab es ein kostenloses Care-Paket (mit Schoki, Chips, Wasser und einem Schinken-Käse-Sandwich) – und ich durfte die Fähre dann auch als erster verlassen. Schon irgendwie cool, an den wartenden Brummis vorbeigewunken zu werden…

Die Dicke blickt in den Sonnenuntergang…
Zur Feier des Tages…

Auf der Fähre hatte ich mich dann nach einem Hotel in Dover umgeschaut, war aber leider nicht fündig geworden. Im näheren Umkreis wurden einige Zimmer für horrendes Geld feilgeboten (250 EUR aufwärts) – und eines für 39 Pfund. Das hätte mir zu denken geben sollen…

Ich freute mich über den günstigen Preis, glaubte den Versprechen auf der HRS-Seite (beste Lage am Strand, sämtlicher Komfort, alles ganz toll…) – und rollte dann entspannt die 20 Minuten von Dover nach Folkestone.

In der Tat lag das Hotel direkt am Strand – aber das war es dann auch schon mit der Wahrheit. Schon der Versuch, einen Parkplatz zu finden, erwies sich äußerst schwierig – und bezüglich des Zustandes des Schuppens als sehr erhellend. Die Schlaglöcher in der Größe und Tiefe von Gartenteichen waren eher beunruhigend.

The Grand Burstin, Folkestone (Archivbild)

Das war dann aber noch nix gegen das, was mich nach dem Abstellen des Moppeds am Straßenrand erwartete. Nachdem ich die Lobby erreicht hatte, erwartete mich eine Schlange von über 60 Leuten, die einchecken wollten.  Zur Erinnerung – es war mittlerweile 0:00 Uhr.

Tja…

Das anstehende Klientel zeigte sich meist jung, furchtbar betrunken – und insgesamt eher das, was mein Freund Christian als „Geschwerl“ bezeichnen würde. Offenbar handelte es sich um eine Art Springbreak-Hotel.  Während meiner Wartezeit von über 1,45 Stunden gab es mehrere Prügeleien, zwei Hundekämpfe und einige Leute haben gekotzt. Super!

Als ich letztlich zum Empfang vorgedrungen war (zwei Leute am Empfang, dafür mindestens fünf Security-Schränke), konnte ich aufschnappen, dass wohl böse Zeitgenossen eine Fake-Seite des Portals „Booking.com“ ins Netz gestellt und die Vorkasse der dort buchenden Leute eingestrichen hatten. Ein Zimmer gab es für diese Leute natürlich nicht, was dann zu teilweise tummultartigen Szenen führte – und dadurch natürlich den CheckInn verzögerte.

Egal, letztlich – nachdem ich dann noch die erste Zimmerkarte austauschen musste, da sie nicht funktionierte – konnte ich meinen Abstellraum mit Bett gegen 2:00 Uhr beziehen. Besonders sauber war es auch nicht, aber das störte mich in meinem Zustand dann auch nicht mehr…

Eines König würdig…

More to come…

4 comments on Maltes Großbritannien-Tour – Überführungsfahrt

  1. Hey Malte, wie immer ist Dein Reisebericht sehr unterhaltsam.
    Ich wünsche Dir viel Spaß bei Deiner Tour und künftig besseres Gelingen. 👍🏼😃

  2. Hallo Malte, toll geschrieben. Man erlebt richtig mit. Vielen Dank und weiter so.
    Ich wünsche Dir eine tolle, erlebnisreiche Tour!

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