Maltes Großbritannien-Tour – Tag 11 / 12

Gestern und heute war es einmal mehr unspektakulär – zumindest für Euch Leser…

Der gestrige Tag startete sehr ungewohnt, da bereits morgens die Sonne schien. Somit war die Laune von Anfang an gut – und ich rollte dem „Forth Of Firth“ genannten Fjord, an dem Edinburgh liegt. Hier wollte ich einen Blick auf den Hafen und der dort vertäuten königlichen Yacht „Britannia“ werfen. Diese Yacht hatte ich als kleiner Junge mal den Nord-Ostsee-Kanal passieren sehen – samt Queen, die winkend an der Reling stand. Leider war durch Straßenarbeiten der Weg zur Yacht versperrt – und auch sonst bot der Hafen irgendwie nicht viel. Das war aber nicht so schlimm, führte mein Weg mich nun am Fjord entlang – und ich konnte häufig das Wasser sehen. Die Strecke selbst war angenehm zu fahren. Dieser entspannte Zustand hielt so lange an, bis ich die erste und zweite Möglichkeit zur Querung des Fjords erspähte. Dass die Briten ja doch etwas irre sind, ist ja allgemein bekannt – und dieser Irrsinn zeigt sich in South Queensferry ganz besonders. An dieser Stelle überpannen auf wenigen hundert Metern gleich drei gewaltige Brücken den „Forth Of Firth“. Zum eine präsentiert sich dort in knalligem Rot und unverwechselbarer Architektur die „Forth Bridge“ (Länge: 2.523 m / Höhe: 46 m), eine reine Eisenbahnbrücke.

Die „Forth Bridge“ (Archivbid)

Direkt daneben präsentiert sich die „Forth Road Bridge“ (Länge: 2.517 m / Höhe: 45,7 m) für Autos…

Die „Forth Road Bridge“ (Archivbild)

…und weil das noch nicht reicht, steht direkt daneben noch die „Queensferry Crossing“ genannte Autobahnbrücke (Länge: 2.633 m / Höhe: 50 m).

„Queensferry Crossing“ (Archivbild)

Dieses lustige Brückenensemble lud mich zum Überqueren ein, was ich mir angesichts des äußerst frischen Windes diesmal allerdings ersparte und die landschaftliche sicher weitaus reizvollere Route um den Fjord herum wählte. Wie im vorletzten Beitrag bereits beschrieben, bin ich – was Höhe angeht – nicht der mutigsten Einer – und man muss es mit seinen Abenteuern ja nicht übertreiben.

Immerhin guckte ich mir die Brücken dann auf der Nordseite von unten an…

Der Rest des Weges bot dann einmal mehr kleinere Seebäder mit Strand. Oft gesehen, aber trotzdem nicht langweilig. Wobei man anmerken muss, dass man in Schottland nicht sofort in jedem Ort am Wasser einen Jahrmarkt mit Riesenrad und Spielkasinos aus dem Boden stampft. Man lässt es etwas geruhsamer angehen.

Das Ende meiner Etappe lag dieses mal in Longforgan in der Nähe von Dundee. Und hier überquerte ich dann doch noch eine Brücke, die mit 3.264 m sogar noch nennenswert länger war, als das zuvor beschriebene Brücken-Trio – mit gerade mal 26 m aber nur halb so hoch.

Der in diesem kleinen Dorf ansässige Pub bietet in einem Nebengebäude einige rustikale Zimmer an. Mein Zimmer war in Ordnung, der Pub war gemütlich und bot leckeren Cider. Ich bin dann gegangen, als Deutschland das erste Tor schoss und die Stimmung etwas angepannter wurde…

Das heutige Frühstück bot das übliche (Eier, Würstchen, Champignons, Speck, Bohnen…), wobei ich noch Haggis (Schafseingeweide im Schafsmagen) und Blutpudding hätte haben können – aber definitiv nicht musste.

Der heutige Tag sollte mich durch den Cairngorms National Park – besser bekannt als „die Highlands“ bis hinauf nach Inverness führen. Diesmal war also weniger Meer als vielmehr Heide, Hügel und MacLeod angesagt.

Um seinem Ruf gerecht zu werden, regnete es bereits bei der Abfahrt kräftig – und hörte auch bis zum Abend nicht mehr auf. Um es nicht allzu zu langweilig werden zu lassen, variierte Petrus immerhin die Stärke des Regens immer mal wieder um einige Nuancen zwischen Starkregen und Sintflut. Trotz – oder gerade – des Wetters, war die Fahrt launig und die Landschaft atemberaubend. Weite hügelige Heidelandschaften wechseln sich mit satten grünen Wiesen und Weiden voller Rinder (natürlich auch die zotteligen Highlands) und Schafen ab. Die hohen, mit Heide überzogenen Berge recken sich bis zu 1.300 m hoch. Natürlich führten mich die Straßen mehrfach direkt über diese hohen Hügel hinweg, deren Spitzen beim heutigen Regenwetter teilweise in den Wolken lagen. Bei einer Überfahrt war es kaum möglich, die Hand vor Augen zu sehen – und ich rollte dann im Schritttempo über die Kuppe hinweg. Generell behagten mir die Straßen auf den Bergen nicht so, da die Schotten diese nicht sonderlich akkurat gerade bauen, sondern diese herrlich schief und krumm in die Landschaft zimmern. Und eine schiefe, völlig kaputte Fahrbahn, bei der es links einige hundert Meter steil abfällt, ist für einen Höhenängstler wie mich ein Grund zur Begeisterung. Wenn man nicht gerade durch eine Wolke fährt, ist die Aussicht zumindest toll.

So tobte ich dann durch den Regen Richtung Norden. Vorbei an einigen Destillen, wo das berühmte „Wasser des Lebens“, der schottische Whisky, hergestellt wird. Ich passierte u. a. Glenlivet und Cardhu, die sogar mir als Nicht-Whisky-Trinker bekannt sind.

Jetzt muss ich mich für die ausbleibenden Bilder entschuldigen. Dies war heute nicht ganz einfach. Zum Einen hielt mich der Dauerregen von ungeplanten Stopps ab, zum Anderen ist es auf den engen, oft steilen und z. T. krummen und schiefen Straßen kaum möglich, mal eben anzuhalten. Mag man mit einem Auto auch auf einem abfallenden Grünstreifen noch recht sicher parken, ist so etwas mit einem Motorrad nicht möglich. Da benötigt man eine ebene Stellfläche, damit der Bock nicht umfällt – bzw. man das dicke Trumm aus der Schräglage beim Parken auch allein wieder in die Senkrechte bekommt.

Tja, sorry…

Ziemlich beseelt, aber auch ziemlich fertig, erreichte ich dann Inverness. Hier ist eine bei Booking.com großspurig als Appartement angepriesene Monteursabsteige mein „Zuhause“. Es handelt sich eigentlich um eine große Küche mit kleinem Schlafraum und Bad. Einen Fernseher gibt es nicht, aber dafür eine Waschmaschine. Nach zwei Wochen Wäsche mit Rei im Waschbecken, ist das schon echter Luxus.

Ich habe mich dann auch direkt zwei Tage eingemietet, da ich morgen den Loch Ness anfahren möchte – und das ist von hier ein Katzensprung. Danach ggf. noch ein wenig durch Inverness schlendern.

In diesem Sinn…

1 comment on Maltes Großbritannien-Tour – Tag 11 / 12

  1. Ja, bei dem Wetter ist das Moppedfahren anstrengend. Aber die Eindrücke bleiben immer in Erinnerung.

    Vorsicht am Loch Ness, …..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.