Herbsttour 2020: Tag 1/2 – Duisburg

Er kommt etwas spät, aber er kommt – der erste Tourbericht der diesjährigen Herbsttour.

Wie schon aus den vorherigen Jahren bekannt, bin ich auf den Touren im Herbst nicht alleine unterwegs: Mein Freund Christian, der beste Mitfahrer von allen, begleitet mich. Das führt dann leider dazu, dass man abends dann zusammen gern noch den Tag Revue passieren lässt – und eben nicht immer zum Schreiben der Berichte kommt. Sorry…

Daher umfasst dieser Bericht dann eben auch die ersten zwei Tage.

War ja diesen Herbst ursprünglich eine Fahrt nach und durch Polen geplant, wuchs ob der erneut ansteigenden Corona-Zahlen dann doch die Skepsis der Planung gegenüber. Daher reifte nach und nach die Idee, dann doch lieber einige ausgewählte Orte und Sehenswürdigkeiten in Deutschland anzufahren.

Als dann letztlich die Idee festgezurrt wurde, stellte sich mit dem Corona-Verdacht bei Christian ein neues, unerwartetes Hindernis in den Weg – und wir mussten vorerst das Testergebnis abwarten. Letztlich präsentierte sich das Ergebnis negativ – und so konnte es dann Dienstagvormittag endlich auf die Reise gehen.

Die erste Etappe führte mich aus dem heimischen Büdelsdorf nach Brunsbüttel, um Christian dort einzusammeln. Gemeinsam führte uns die Stecke dann traditionell mit der Elbfähre über den großen Fluss nach Niedersachsen.

War uns das Wetter in den letzten Jahren trotz Oktober immer recht hold gewesen, konnte es uns dieses Jahr nicht recht überzeugen – und somit rollten wir durch mal starken, mal weniger starken Regen durch Niedersachsen. Auch wenn mein Anzug mich selbst beim Wolkenbruch weitestgehend trocken hält, macht das auf Dauer nur wenig Spaß. Da man aber gegen den Willen von Petrus nur wenig tun kann, mussten wir damit klarkommen.

Unser erstes Ziel liegt im Emsland – und kann als Industrie-Denkmal bezeichnet werden. Die ehemalige Teststrecke der Magnetschwebebahn Transrapid im Emsland wurde angefahren. Diese auf Stelzen stehende Trasse zieht sich über gut 30 km durch das Emsland. Mit dem Motorrad konnte man der Strecke einige Kilometer folgen, wobei man dann auch die Stelle passiert, an der es 2006 der schwere Unfall mit 23 Toten und 10 Verletzten kam. Eher unschön!

Nach diesem ersten Zwischenziel sollte es dann weiter nach Duisburg gehen. Hier waren dem besten Mitfahrer von allen dann gleich mehrere Ziele ins Auge gefallen, die es dann an diesem und dem nächsten Tag „abzuarbeiten“ galt. Quartier sollte bei seinem ältesten Filius in Krefeld-Uerdingen bezogen werden.

Da die Zeit einmal mehr schneller voranschritt, als ursprünglich erhofft, wurde als letztes Ziel des heutigen Tages dann die auf einer Abraumhalde in Duisburg weithin sichtbare Landmerke „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ gesetzt.

Diese einer Achterbahn nachempfundenen Skulptur (Fläche 40 x 41 Meter, Höhe 20 Meter) aus Stahl wirkt in der Tat magisch – ganz besonders in der Dunkelheit. Leider konnte die Skulptur an diesem Tage nicht bestiegen werden – aber trotzdem war der Anblick ein tolles Erlebnis.

Danach wurde der Tag beim netten Schnack in Patricks Kemenate beendet.

Filius und der stolze Papa…

Der nächste Morgen führte uns dann ohne Motorrad wieder nach Duisburg, um weitere Sehenswürdigkeiten dieser schönen Stadt zu begutachten. Die Aussage „schöne Stadt“ ist natürlich bloße Ironie, da die Worte „Duisburg“ und „schön“ so wirklich gar nichts in einem Satz zu suchen haben. Auf dem Fußmarsch vom Bahnhof zum ersten Besichtigungspunkt konnte nur wenig Schönes, dafür aber allerlei erschreckend Unschönes erspäht werden. Und wenn das Auge tatsächlich einmal etwas Spannendes erspäht, so ist dieses in Gestaltung und Präsentation meist unglaublich lieblos (s. Rest der Stadtmauer…).

Stadtmauer Duisburg

Unser erstes Ziel stellte der Duisburger Innenhafen dar, der im Reiseführer durchaus lobend erwähnt wurde. Dieses Lob erschloss sich mir nicht, präsentierte sich der Hafen doch lediglich als trister Betonkessel, in dem einige Boote vor sich hin dümpelten. Das war jetzt nicht sonderlich beeindruckend, aber letztlich auch nicht besonders schlimm. Dieses Prädikat kann man aber durchaus auf den am Ufer liegenden „Park der Erinnerungen“ anwenden. Dieser „Park“ besteht aus den Resten einiger Gewerbebauten, die von einigen Betonmauern flankiert und mit Büschen und Bäumen bepflanzt wurden. Das ganze Ruinen-Ensemble wirkt letztlich wie ein unvollendeter Abriss – ein Eindruck, der ganz besonders von den weiß getünchten, frei stehenden Treppenhausresten untermauert wird. Ich fand es ganz schrecklich und – durch den Regen noch verstärkt – furchtbar trostlos…

Immerhin konnte mich dann die anschließende Hafenrundfahrt etwas versöhnlich stimmen. Duisburg kann sich ja den Superlativ des weltgrößten Binnenhafens auf die Krone schreiben – und das Ding ist wahrlich beeindruckend.

Hafenrundfahrt

Bei Bier und Bockwurst schön durch den Hafen gleitend, erholte sich meine Stimmung zusehends. Lediglich die Tatsache, dass mein Handy-Akku während der Schiffspassage alle Viere von sich streckte, konnte meine Freude etwas trüben – schließlich stand noch ein weiterer Programmpunkt an, der durchaus nette Motive versprach.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord, ein stillgelegtes Hüttenwerk, das durch kontrollierten und freien Bewuchs von Pflanzen in einen Park integriert wurde, zählt lt. der Zeitung „The Guardian“ zu den 10 besten Landschaftsparks der Welt zählt.

Und in der Tat  kann sich dieser Park sehen lassen. Verschiedene Wege führen durch und über die verschiedenen Bereiche der Hütte. Spielplätze wurden integriert und verschiedene Kletterwände geschaffen. Und hier spielte dann erstmalig auch das Wetter mit.

Die Bilder sind einem Sammelpool verschiedener Bilder von Christian und mir, aufgenommen mit Christians Handy, entnommen.

Der Landschaftspark war ein wirklich schöner Abschluss des Tages.

Die Heimfahrt mit Straßen-, U- und S-Bahn verlief den Umständen entsprechend gut – immerhin kamen wir irgendwann am Ziel an und landeten weder ungewollt in Holland noch in Gewahrsam, obwohl wir uns schlicht und ergreifend wie die ersten Menschen angestellt haben. Aber für Landeier waren wir gar nicht so schlecht…

Am heutigen Tag verließen wir dann Patricks Wohnung und Gastlichkeit, um neuen Zielen entgegenzufahren. Dazu aber demnächst mehr…

In diesem Sinne…

MM

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