Nach einer durchaus angenehmen, sehr ruhigen Nacht in einem äußerst bequemen Bett, offenbarte sich uns der Nachteil einer Ferienwohnung: Das gewohnte üppige Frühstücksbuffet war beim Betreten unserer Küche nicht zu sehen. Schade!
Nun ja, dann eben flott die Sachen gepackt und am Mopped vertäut – und ab in die Stadt, wo wir uns neben dem zu bestaunenden Lindgren-Denkmal auch ein Café mit der Möglichkeit zu frühstücken erhofften.
Am kleinen Marktplatz Vimmerbys, der Geburtsstadt Astrid Lindgrens, angekommen, fiel uns ein Spielplatz mit einem stilisierten Bullerbü (drei kleine rote Häuschen) ins Auge, bevor wir dann ein Stück weiter ein wirklich sehr gelungenes Denkmal in Form eines Zimmers mit Astrid Lindgren an der Schreibmaschine sitzend entdeckten. Sehr originell erdacht und hübsch umgesetzt…

Leider hatte zum Zeitpunkt unserer Ankunft (etwa 9:30 Uhr) am Marktplatz weder Bäcker noch Café geöffnet. Auch in den umliegenden Gassen konnten wir zwar einen Stromkasten in R2D2-Design erspähen, eine Möglichkeit zum Frühstücken fanden wir aber nicht.

Also noch einen kurzen Abstecher zum Geburtshaus von Frau Lindgren gemacht, festgestellt, dass man dieses in einen Freizeitpark mit Museum umgewandelt hatte, was uns aber nicht locken konnte – und somit ging es dann zum ersten Ziel außerhalb Vimmerbys: Der Kirche von Pelarne.
Pelarne Kyrka balgt sich mit der Kirche in Granhult („Granhults Kyrka“) um den Titel der ältesten Holzkirche Schwedens. Ihr gegenüber kann Pelarne Kyrka allerdings die noch offizielle kirchliche Nutzung ins Feld führen. Selbstverständlich musste dieses Kleinod begutachtet werden. Dass diese Kirche nur wenige Minuten von Vimmerby entfernt und – ohnehin auf unserem weiteren Weg – liegt, passte natürlich sehr gut.
Und in der Tat liegt das Kirchlein (ja, eher klein…) recht idyllisch im Nirgendwo. Wie ich gelernt habe, handelt es sich um eine sogenannte „Campanile“, eine Kirche mit gesondert stehendem Turm. Die Kirche selbst besteht aus liegendem Kiefernholz, das mit Schwalbenschwanznuten verbunden wurde. So, Expertenmodus aus… 😉
Nachdem der beste Mitfahrer von Allen und ich uns darauf geeinigt hatten, dass die Kirche ganz hübsch war, schwangen wir uns wieder in die Sättel und ritten vom Hof – Bullerbü entgegen.
Das in den drei berühmten Bänden von Astrid Lindgren beschriebene Dorf Bullerbü ist zwar fiktiv, bezieht sich aber auf ein reales Vorbild, in dem ihr Vater aufwuchs. Dieser kleine Ort liegt unweit von Vimmerby und heißt Sevedstorp. Hier wurden auch die in den 80er Jahren entstandenen Bullerbü-Filme gedreht.
Nachdem unsere Navis es gut mit uns meinten und uns noch einmal einige Kilometer auf herrlich geschlungenen Straßen durch den Wald und an Seen vorbei in die falsche Richtung gelotst hatten, erreichten wir dann den magischen Ort.
„Mir tun alle leid, die nicht in Bullerbü leben“ – diesen Satz lässt Astrid Lindgren ihre Protagonistin Lisa im Buch „Wir Kinder aus Bullerbü“ sagen – und man ist gewillt, ihr Recht zu geben. Es ist wirklich äußerst niedlich in dem abseits gelegenen Örtchen, dass gerade einmal aus drei Häusern besteht (Nordhof, Mittelhof und Südhof). Dazu ein paar Ställe und eine Scheune, die heute ein Café und einen kleinen Souvenirladen beherbergt.

Dort bekam ich dann auch endlich meinen Kaffee und eine Vanilleschnecke – und wir trafen ein deutsches Paar, mit dem wir uns über unsere Reiseziele austauschten.
Nach Bullerbü/Sevedstorp stand der nächste Kult-Ort auf dem Plan – der Katthult-Hof, Heimat von Emil aus Lönneberga, in Deutschland als „Michel“ bekannt.

(Archivbild)
Aufgrund der namentlichen Ähnlichkeit zum damals ebenfalls sehr populären Kinderbuch „Emil und die Detektive“ wurde Emil in Deutschland zu „Michel“. Im Gegensatz zu Bullerbü heißt der Katthult-Hof auch außerhalb der Filme so. Er ist – ebenso wie die Häuser in Sevedstorp auch – ganz normal bewohnt. Katthult ist allerdings professioneller auf den Tourismus eingestellt. So kostet der Besuch in der Saison Eintritt, es gibt einen sehr großen Parkplatz und es wurden einige Informationstafeln auf dem Gelände aufgestellt.

Man erkennt Vieles wieder: Das eigentliche Wohnhaus, den Schuppen, in dem Michel seine Holzfiguren geschnitzt hat, das Plumpsklo, in dem er seinen Vater eingesperrt hat und die Hütte, in der Knecht Alfred wohnte. Sogar der Fahnenmast, an dem Michel seine Schwester hochgezogen hat, steht im Garten.
Auf Katthult herrschte weitaus mehr Trubel als in Bullerbü – und es waren nahezu nur Deutsche anzutreffen. Insgesamt aber schon sehr schön…
Nachdem wir den Geist Astrid Lindgrens und Ihrer Figuren in ausreichendem Maße aufgesogen hatten, rollten wir beseelt davon, dem nächsten Ziel entgegen.
Nachdem wir am Vormittag ja bereits mit Pelarne Kyrka schon eine der beiden ältesten Holzkirchen in Augenschein genommen hatten, musste mit Granhults Kyrka natürlich auch noch die zweite alte Holzkirche angeguckt werden. Zwar liegt diese nicht unbedingt um die Ecke, aber mehr oder weniger auf dem Weg zum Tagesendziel – und der Weg dorthin versprach schönes Fahren.
Die Holzkirche in Granhult – ebenfalls eine Campanile (..hihi, ich Angeber…) – ist, im Gegensatz zur Kirche in Pelarne nicht mehr offiziell im Betrieb. Zwischenzeitlich wurde sie sogar als Kornspeicher genutzt und sollte auch mehrfach abgerissen werden. Mittlerweile hat man sie baulich wieder in einen Kirchenzustand versetzt. Naja, ich kann sagen, dass ich sie gesehen habe – aber als Pflichtprogramm sehe ich sie nicht an.
Als Tagesendziel hatten wir Kalmar auserkoren, eine kleine Stadt direkt an Meer mit einem imposanten Schloss und einer großen Brücke, die den Übergang zur Insel Öland darstellt.

Unsere Unterkunft hatten wir zu einem erstaunlich günstigen Preis ergattern können – und nach der Ankunft wussten wir dann auch, warum. Entgegen der Informationen auf Booking.com handelte es sich um erfrischend karge Jugendhergszimmer mit vier Etagenbetten, dafür ohne Klo, Waschbecken und Dusche, die man auf dem Flur fand und die man sich mit diversen anderen Gästen teilen durfte. Für Malte die Höchststrafe.

Später erkannte ich den Fehler: Das Hotel bot zwei Arten der Unterkunft an. Einmal „echte“ Hotelzimmer mit eigenem Bad – und zum Anderen die von uns bezogenen Absteigen. Beim Buchen ob des günstigen Preises dann etwas unachtsam gewesen – und aus Versehen die falsche Kategorie geordert. Naja, die Zimmer boten zwar wenig bis keinen Komfort, waren aber sauber und die Betten (die man auch noch selbst beziehen musste) erstaunlich bequem.
Müde – und aufgrund der Zimmersituation etwas niedergeschlagen – schlichen wir dann zwecks Nahrungsaufnahme in die nebenan gelegene – genau! – Pizzeria. Dem beindruckend unfreundlichen Wirt schien unser Besuch nicht so richtig recht zu sein, aber an der servierten Pizza gab es wirklich nichts auszusetzen.
Manchmal muss man halt etwas Demut lernen!
In diesem Sinne…

Herrlich geschrieben 😜
Danke!
Lieber Malte, da hast Du aber straff nachgearbeitet. Ich habe nun die ganze Tour, außer Tag 1, am Stück gelesen (Rentner haben Zeit, wenn sie es wollen). Vielen Dank für die Mitnahme und Einsichten! Es war mir ein Vergnügen!
LG
Ich will jetzt auch eine Pizza!
Ja, lieber Malte, ich hatte sehr viel nachzulesen.
Ich bin immer wieder begeistert von Deinen tollen Texten…..