Tag Nummer 11 wird den geneigten Leser vermutlich etwas langweilen, denn stellte er sich doch als Überführungsetappe von Olofström nach Ystad dar.

Man erinnere sich: Olofström war nach dem Besuch des Autofriedhofs im Wald am Rande des Moors Kyrkö Mosse unsere Destination zur Übernachtung gewesen. Die Wahl fiel leidenschaftslos aus, da wir lediglich eine halbwegs akzeptable Unterkunft zum bezahlbaren Preis in kurzfristig erreichbarer Nähe zum Autofriedhof suchten. Dort angekommen, haben wir von der Stadt lediglich einen der dortigen Supermärkte gesehen und uns dann müde in unsere Zimmer zurückgezogen.
Am nächsten – also diesem – Tag sollte es dann nach Ystad gehen, Heimat des Roman-Kommissars Kurt Wallander. Größere Ziele waren nicht gesetzt, aber so ganz ohne ging es ja auch nicht. Also waren mit der Festung Glimmingehus und der am Meer befindlichen Schiffssetzung Ales stenar zumindest zwei Punkte gesetzt, die uns einen genaueren Blick wert sein sollten.
Während es des Nächtens wie aus Eimern geschüttet hatte, zeigte sich uns der Wettergott am Morgen bereits wieder wohlgesonnen – und so rollten wir nach dem Frühstück bei strahlend blauen Himmel vom Hof und Richtung Süden.
Über herrliche Straßen (kurvig und verkehrsarm) durch Wälder und an Seen verschiedener Größe entlang, war die Fahrt der eigentliche Hauptdarsteller des Tages. Obwohl die eigentliche Streckenlänge mit knapp 230 km eher überschaubar war, war sie ob der Kurvigkeit und der schweden-typisch eingeschränkten Höchstgeschwindigkeit (meist 70 – 80 km/h) recht zeitintensiv – was uns aber nicht störte.
Glimmingehus war ebenfalls ein Punkt, der mir durch Nils Holgersson geläufig war. Im Roman verteidigen die „guten“ schwarzen Ratten mit Hilfe von Nils Holgersson das in der alten Festung gelagerte Getreide gegen die „bösen“ grauen Ratten.

Im Buch wird Glimmingehus als geradezu atemberaubend groß und mächtig beschrieben. Steht man davor, fühlt man sich doch eher an ein etwas größeres Zweifamilienhaus erinnert. Zusammen mit einigen kleineren Gebäuden bildet das Ensemble einen hübschen Innenhof. Die Festung selbst kann besichtigt werden. Da sie aber lediglich aus drei leeren Räumen verteilt auf drei Etagen und einem Keller besteht (und einem Dachboden, der aber nicht besichtigt werden konnte), schafft ein normaler Mensch die Besichtigung in etwa 8 bis 10 Minuten. So man allerdings alle verbauten Nägel zählt, die Holzstruktur der Bodenbohlen auswendig lernt und jeden Holzwurm per Handschlag begrüßt, kann am die Aufenthaltszeit durchaus auch potenzieren. Und so saß ich schon entspannt in der Sonne, während der beste Mitfahrer von Allen innen noch geheimnisvolle Fallstudien betrieb. Da das Haus um 16:00 Uhr seine Türen schloß, war der Aufenthalt allerdings zeitlich begrenzt – und so blieben sicher einige Holzbalken ungezählt und einige Schlossgeister unentdeckt.
Weiter gings der Südküste entgegen. Die Schiffssetzung „Ales stenar“ (zu deutsch „Die Steine von Ale“) stellt so etwas wie das schwedische Stonehenge dar. Aus 59 Menhiren wurde hier eine 59 m lange und bis zu 19 m breite Schiffsform nachgebildet – zumindest kann man es, so man es weiß, mit viel Fantasie erkennen. Der Sinn dieses Aufbaus ist nicht ganz klar – die Ideen der Wissenschaftler gehen von einer Grabstätte bis zum Sonnenkalender.

Da sich die alten Steine direkt auf einem Hügel am Meer befinden, stellen sie ein hübsches Ausflugziel dar, das es aber leider zu erwandern gilt. Vom Parkplatz muss man knapp 2 km dorthin marschieren – inkl. Steigung zum erwähnten Hügel hinauf.

An den Steinen angekommen, konnte man quirliges Leben beobachten:
Eine etwas skurrile Dame platzierte sich repräsentativ im Lotussitz in der Mitte des „Schiffs“ und hoffte offensichtlich auf Erleuchtung. Andere hielten besondere Fotosessions zwischen den Steinen ab. Wir konnten auch nicht genau herausfinden, welchen Sinn die Schiffsetzung genau hat. Vielleicht hat sich vor einigen Hundert Jahren einfach jemand gedacht, er stellt einfach mal ein paar Steine hin und liefert somit viel Raum für Spekulationen – und einen Ort für den sonntäglichen Spaziergang. Wer weiß es schon?


Von Ales stenar bis zu unserem Endziel in Ystad war es dann nur noch ein Katzensprung.
Unser dort gebuchtes Hotel befand sich direkt in der Innenstadt. Nach ein paar Metern hatte man bereits den kleinen Marktplatz erreicht – und wir konnten tatsächlich den vom Kirchturm trompetenden Nachtwächter hören und sehen, den wir kurz vor unserem Urlaub in einem YouTube-Video „kennengelernt“ hatten. Unser abschließendes Abendessen wurde übrigens im Restaurant „Le Cardinal“ eingenommen, das auch in einigen Wallander-Romanen Erwähnung findet.

In diesem Sinne…
