Maltes Großbritannientour – Tag 34/35/36/37 – und Fazit

Nun ist seit meiner Heimkehr von meiner Mopped-Tour eine Woche vergangen. In dieser Zeit, die ich zum Entspannen genutzt habe, war die Tour jeden Tag noch allgegenwärtig. Immer wieder habe ich mich durch die Bilder auf Handy/iPad und im Kopf geblättert, ungewollt Vergleiche angestellt und mich an schöne und nicht so schöne Begebenheiten erinnert.

Zeit, ein abschließendes Resümee zu ziehen…

Die letzten Tage der Fahrt sind schnell erzählt. Am Freitag führte mich der Weg an der Küste entlang vom „Basislager“ Eastbourne nach Dover, wo die Fähre zum Kontinent auf mich wartete. Nein, ehrlich gesagt musste ich kurz warten, bis die mit mir gleichzeitig am Anleger ankommende Fähre festgemacht und entleert war (es ist unglaublich, welch Mengen an Autos, LKW und Moppeds so ein Schiff fassen kann 😳).

Die Überfahrt selbst verlief trotz des Sturmes, der an diesem Tag vorherrschte, erstaunlich ruhig. Nachdem die Fähre bei meiner nächtlichen Hinfahrt eher leer war, herrschte nun am frühen Nachmittag reges Treiben und allerlei skurrile Typen tummelten sich um mich herum. Das Sprachgewirr erinnerte an den Turmbau zu Babel. Also Kaffee geholt, in einen Sessel in einer Ecke zurückgezogen – und ein wenig Freakshow genossen. Herrlich!

Nach der Ankunft in Calais waren dieses Mal die Motorräder die letzten, die von Bord durften. Der Weg nach dem Verlassen des Schiffes sollte mich dann nach Ostende führen, wo für diese Nacht das Lager geplant war. Die Fahrt war unspektakulär und eher langweilig, fand aber immerhin bei schönstem Wetter statt. Ostende selbst ist kaum erwähnenswert, allerdings sollte eine Erfahrung doch erwähnt werden. Beim Einkauf in einem Supermarkt lehnte ich – wie gewohnt – den Kassenbon ab, was mir aber als nicht sinnvoll erläutert wurde, da man tatsächlich nur mit dem Kassenzettel, der am Ausgang gescannt wird, den Laden verlassen kann. Aha, andere Länder, andere Sitten…

In Sachen Unterkunft konnte ich dann feststellen, dass England in Belgien seinen Meister gefunden hat. War der Eingangsbereich des Hotels noch nett gestaltet und der Mann am Empfang dazu des Deutschen mächtig, war das Zimmer durchaus mit dem Begriff „Loch“ ganz gut beschrieben. Klein, abgewohnt und nur leidlich sauber. Dazu dieses Mal das im Bett Deckenkonzept „Wolldecke mit Laken“. Immerhin gab es erstmals seit 5 ½ Wochen wieder deutsches Fernsehen. Lustig war auch der mir zugewiesene Stellplatz, zu dem ich jeweils mit zwei Hotelangestellten „patrouilliert“ wurde, um dann mit dem Mopped in einen Fahrstuhl zu fahren, der mich dann in den dritten Stock eines von außen ganz normal aussehenden Hauses trug…

Das Frühstück hingegen ließ in Sachen Opulenz keinerlei Wünsche offen und war nach Wochen des Full English Breakfast durchaus mal wieder dem typisch europäischen Anspruch entsprechend. Brötchen, Wurst, Schinken, Käse, Lachs, dazu Rühr- und Spiegelei, „normale“ Würstchen und trinkbaren Kaffee. Topp…

Am nächsten Morgen ging es dann einige Zeit an der Küste entlang, ohne allerdings das Meer sehen zu können, da die Sicht durch Deiche und/oder Baumstreifen zwischen Straße und Wasser verhindert wurde. Das wiederum führte auf Dauer dann doch zu einer gewissen Langeweile, gerade weil die Straßen auch nicht gerade durch nennenswert viele Kurven gesegnet waren. Immerhin ist sowohl in Belgien als auch in Holland die Qualität der Straßen durchaus vorbildlich.

Da ob des sehr frischen Windes einige auf meinem Weg liegende Brücken für Motorräder gesperrt waren (das teilte man mir an einer Tankstelle mit) und mich die Umleitung dann ohnehin auf der Autobahn ins Landesinnere führte, entschied ich mich dann dafür, direkt Richtung Deutschland weiterzufahren. Erstaunlicher Weise wies die Autobahn durchaus schöne Kurven auf und lieferte letztlich mehr Fahrspaß als der stupide Weg an der Küste entlang. Und so spuckte mich der Weg letztlich in Dortmund aus, einer Stadt, die ich ja nun durch meinen Job recht gut kenne. Und aus Traditionsgründen (und weil es günstig war) checkte ich im altehrwürdigen Hotel Drees ein, dass jahrelang das Stammhotel meiner Firma in Dortmund war. Den Standard eines deutschen (!!!) 4-Sterne-Hotels genießend, schlief ich dann auch wunderbar…

Die weitere Fahrt führte mich dann ohne nennenswerte Zwischenfälle durch das Sauer- und Weserbergland (einfach nur traumhaft!!!), an Hannover vorbei durch Niedersachsen und Hamburg zurück nach Schleswig-Holstein. Um 18:14 Uhr rollte meine Dicke dann in ihren Heimathafen ein.

So, und nun zum Fazit dieser Tour, die mich länger von zu Hause fernhielt als jede andere zuvor. Die mich doch manchmal an meine Grenzen brachte und mir gleichzeitig wunderbare Eindrücke bescherte.

Natürlich – und das kam nicht überraschend – ist es durchaus herausfordernd, sich mehrere Wochen ganz allein in einem fremden Land (in diesem Fall sogar drei – wenn man alle durchfahrenden Länder rechnet, sogar sechs…) mit fremder Sprache und durchaus der einen oder anderen lokalen Besonderheit aufzuhalten. Dass dann auch nicht jeder Tag nur pures Gold ist, dürfte auch klar sein. Und so mag es dann zum Teil auch so herübergekommen sein, dass mir die Tour keinen großen Spaß gemacht hätte. Diesen Eindruck wollte ich nicht erwecken, denn er entspricht nicht der Realität.

Auch wurde mir von einigen Seiten mitgeteilt, dass man ja noch dieses oder jenes (die Kirche, das Schloss, die Stadt, die Klippe…) angesehen oder gemacht hätte – und warum ich denn soooo viel Motorrad gefahren sei. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es MEINE Tour war – und ich fand halt oftmals das Fahren spannender und angenehmer, als mir eine Kirche oder eine Ruine anzugucken. Schließlich war ich ja mit dem Motorrad unterwegs und in erster Linie zum Motorradfahren da.

So, um dann mal ins Detail zu gehen…

Ein großer Negativpunkt war leider das Wetter. Dass es insgesamt weitaus mehr Regen- als trockene Tage gab, war durchaus ärgerlich und teilweise auch etwas zermürbend. Gerade wenn ich „meine“ Highlights anvisierte (Highlands, Lake District) und es dann sintflutartig regnete, war das schon frustrierend. Schade, aber leider kann man es nicht ändern…

Die Landschaft in England, Schottland und Wales ist schon beindruckend, wenn nicht gar atemberaubend. Gerade an den Küsten ist es mehr als großartig, auf Hochuferstraßen direkt an den Steilküsten entlangzufahren, stets mit Blick auf das Meer. Dass diese Straßen teilweise beängstigend steil und extrem kurvig waren, tut dem Spaß keinen Abbruch und erfüllte mich zum Teil nach einer erfolgreichen Bewältigung durchaus mit Stolz. Auch meine Passage durch die Highlands mit Aufenthalten in den Wolken konnte die Erwartungen erfüllen und war von den Eindrücken her trotz des zu diesem Zeitpunkt herrschenden Unwetters gigantisch.

Dass der zweite Tag der North Coast 500 mich durch das Unwetter an meine Grenzen führte und wirklich das eine oder andere Mal den Anflug von Todesangst spüren ließ (nein, das ist KEIN Scherz!!!), war nicht vorherzusehen. Natürlich hätte ich mich mit mehr Vorbereitung auf die Single Trails einstellen können, aber letztlich konnte ich im Internet tatsächlich nichts über das Verhalten auf 800 m hohen Bergkuppen bei 25 Metern Sicht und Orkanböen finden. Und nein, Ausweichrouten gab es nicht…

Das man das dann überstanden hat, erfüllt einen dann auch mit gewissem Stolz…

Auf der anderen Seite konnte Schottland aber mit grandiosen Städten wie Edinburgh und Glasgow glänzen, die mir wirklich sehr gut gefallen haben, England hielt mit Liverpool und Brighton dagegen.

Liverpool – Pier Head
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Durchweg habe ich in England nette, zuvorkommende und – gerade im Verkehr – rücksichtsvolle Menschen kennengelernt. Man hat sich immer Mühe gegeben, mit mir verständlich zu kommunizieren (Hallo, Franzosen, guckt Euch da mal etwas ab…). Man war hilfsbereit und freundlich. Wenn ich irgendwo am Straßenrand stand, um etwas auf der Karte nachzugucken oder nach einem Hotel gesucht habe, hat gefühlt jedes zweite Auto angehalten und gefragt, ob ich Hilfe brauche. Unvergessen auch das grandiose Teamwork beim Ausparken in Workington, wo das halbe Hotel inkl. zweier Lieferanten geholfen hat, mich aus dem Innenhof des Hotels zu zirkeln – inkl. Sperrung der Straße.

Ein eigenes Thema sind allerdings auch die Übernachtungsmöglichkeiten. Entgegen meinen anfänglichen Befürchtungen waren die Preise für die Nachtlager nicht so hoch wie gedacht. Allerdings war die Qualität der Hotels/Pensionen durchaus wechselhaft und deckte eine extrem große Bandbreite ab. Diese war nicht unbedingt vom Preis bestimmt. So logierte ich zwei Mal in einem Best Western-Hotel, deren Qualität durchaus am oberen Level anzusiedeln war, der Preis hingegen jeweils mit unter 60 EUR nicht die Spitze markierte. Andererseits sollte einem klar sein, dass mal für 36 EUR in einem Hotel mit Meerblick nicht unbedingt viel erwarten kann und sollte. Meistens bin ich mit Zimmern gut gefahren, die Pubs angeboten haben. Oft einfach ausgestattet, aber sauber – und mit einem Pub als Benefit, wo man gut und günstig essen und trinken konnte. Trotzdem muss klar gesagt werden, dass der Standard der Hotels nicht dem entspricht, was ich aus Deutschland gewohnt bin – und ich kenne mich in Sachen Hotels ja durchaus aus.

In Sachen „Essen und Trinken“ kann ich das weit verbreitete Vorurteil gegenüber Großbritannien nicht unbedingt bestätigen. Okay, Würste und Pommes können sie nicht, aber ansonsten habe ich mich immer gut und schmackhaft sättigen können – und das zu Preisen, die das von der Heimat gewohnte meist erheblich in den Schatten stellen.

Okay, Kaffee und Bier sind nicht so deren Stärke, dafür ist der Cider eine echte Macht – in unendlich vielen verschiedenen Varianten angeboten, offenbart dieser sprudelige Obstwein echte Geschmacksexplosionen. Mein Favoriten übrigens sind Thatcher’s und Woodgate Scrumpy Cider (von Lidl)…

So, nun also zu meinem Fazit:

Eine richtige tolle und durchaus spannende Tour durch aufregende Länder, die durchaus bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen hat.

Der eine oder andere Tiefpunkt (Wetter allgemein, Unwetter auf der NC 500 und der doofe Umfaller) kann die Gesamtheit der Tour nicht negativ beeinflussen. Tolle Erlebnisse (Landschaft, Städte wie Glasgow, Edinburgh und Liverpool) und der Fahrspaß generell überwiegen bei Weitem.

Und trotzdem war ich nach knapp sechs Wochen doch froh, wieder zu Hause zu sein. Aber jetzt, nach einer Woche auf dem Sofa juckt es wieder – und so fahre ich morgen wieder los, um ein paar Tage an der Saale-Unstrut-Region zu verbringen…

(Archivbild)

in diesem Sinne…

P. S.:

Der Bart ist ab… 😉

Vorher…
Nachher…

4 comments on Maltes Großbritannientour – Tag 34/35/36/37 – und Fazit

  1. Hey Malte,
    echt gut geschrieben Dein Blog! Hat mich gefreut regelmäßig von Dir zu lesen.
    Hauptsache ist ja, dass Du Spaß hattest und eine tolle Zeit verbracht hast. Was ja offensichtlich der Fall war. Das Wetter kann man sich nicht aussuchen und Du hast das Beste draus gemacht.

    Und nach dem Urlaub ist ja vor dem Urlaub 😉
    Hast ja noch ein paar freie Wochen.

    Freue mich, wieder von Dir zu lesen.

    Bis bald mal wieder und viele Grüße aus dem „schönen“ Offenbach!

    Gruß
    Alex

  2. Hei, Malte, noch einmal über Deine Reise lesen zu können, machte mir viel Freude.
    Ich bin begeistert, das Dir die Wochen, fern der Heimat so gut getan haben.
    Alles Gute für Deine nächsten Exkursionen….

  3. Hallo Malte, Dein Erlebnisbericht hat mir
    gut gefallen. Ich hatte das Gefühl dabei zu sein. Mit Bart habe ich Dich nicht erkannt.
    Liebe Grüße von Gretchen aus Düsseldorf .

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