Maltes Großbritannien-Tour – Tag 22

Nachdem gestern dann doch nur ein eher kurzer Bericht erschien, der trotz aller Kürze meinen aktuellen Frust wohl ausreichend zum Ausdruck gebracht hat, heute dann ein paar Worte mehr.

Nicht, dass das Wetter heute besser gewesen wäre. Natürlich, wenn man es als „besser“ bezeichnen mag, dass sich heute Stark- mit Nieselregen abgewechselt hat, während es gestern durchgehend stark geregnet hat, war es heute schon besser… >>Ironie!<<

Allmählich geht mir das Wetter dann doch ziemlich auf die Nerven. Dass auf einen Sonnentag direkt drei oder vier Regentage folgen, ist nicht unbedingt das, was ich im Juni erwartet hätte. Nein, auch auf den britischen Inseln nicht. Naja, so bleiben weniger Fliegen auf der Jacke und dem Helmvisier kleben…immerhin…

Dabei begann der Tag gestern eigentlich ganz spaßig. Zum Einen schien da noch die Sonne – zum anderen artet mein Ausparken aus dem Innenhof zu einem echten Happening aus. Hatten wir das Mopped am Vorabend in weiser Voraussicht ja rückwärts in den Innenhof bugsiert, damit ich morgens einfach (!!!) rausfahren könne, so stellte sich das als dann doch nicht so einfach heraus. Schlaglöcher und verkantete Gehwegplatten stellten sich als recht standhafte Barrieren heraus. Dass direkt zum Zeitpunkt meines Starts zwei Lieferanten (Getränke und Lebensmittel) ankamen und meine Ausfahrt auf eine breite von ca. 1,50 m einengten, tat dann sein Übriges…

Was tun? Och, die Engländer sind pragmatisch. Malte wurde auf den Bock gesetzt, die Köchin hielt das Tor auf (das von selbst immer wieder zufiel), die Dame von der Rezeption sperrte kurzerhand die Straße ab, der Getränkefahrer schob von hinten und der Lebensmittelhändler stabilisierte seitlich. Und so zirkelte man mich mal eben aus dem Mopped-Knast. Teamarbeit, wie sie vorbildlicher nicht sein kann…

Die Tour sollte dann vom an der Küste gelegenen Workington wieder etwas landeinwärts gehen, um dann durch den als herrlich angepriesenen Lake District Richtung Süden zu rollen. Im Lake District wimmelt es – wie der Name ja suggeriert – von Seen, dazu von Hügeln/Bergen, Kurven und pittoresken Dörfern. Zwar kündigte ein Schild dann direkt auch mal „Single Tracks“ an, über die ich aber nach meinem Abenteuer in Schottland vor einer Woche nur noch müde lächeln konnte. Die Straßen waren schön zu fahren, von Hecken oder Steinwällen gesäumt, im Hintergrund wuchsen die Berge in die Höhe. Schon sehr schön, das Ganze – nur schade, dass es natürlich pünktlich anfing zu regnen. Erst einmal nur etwas Niesel, aber der steigerte sich stetig bis zum intensiven Starkregen. Ganz toll…

Ich gehe davon aus, dass der Lake District bei Sonnenschein einem vor Begeisterung den Mund offenstehen lässt. So war es einmal mehr ziemlich doof.

Letztlich landete ich dann in der Nähe von Lancaster in einem kleinen Landgasthof (also quasi ein Pub, der oben ein paar Zimmer vermietet). Mein Zimmer war zwar so klein, dass ich über meine Taschen steigen musste, um ins Badezimmer zu kommen, aber trotzdem nett und mit einem herrlich bequemen Bett ausgestattet. Ich habe dann „Seinfeld“ zum dritten (oder vierten) Mal zu Ende geguckt – und dann auch wirklich gut geschlafen.

Auch heute Morgen gaukelte mir der da oben erst einmal schönes Wetter vor. Blauer Himmel, Sonnenschein. Aber kaum hatte ich die Morgentoilette erledigt, da öffnete man beherzt die Schleusen – und es prasselte tüchtig. Also erstmal einen Kaffee gebraut und noch etwas Zeitung gelesen.

Kurzfristig beruhigte sich das Wetter dann wieder – aber kaum hatte ich den Sattel geentert, ging das nasse Theater wieder los. Erst einmal ging es an die Küste in das Örtchen Morecambe. Leider war das Wasser gerade nicht zugegen. Schade. Um dann weiter Richtung Blackpool zu fahren, musste ich zurück nach Lancaster, da es nur hier die Möglichkeit gibt, den Fluss River Lune zu queren.

Lancaster war als Partnerstadt meines Geburtsortes Rendsburg meine erste England-Erfahrung, da ich vor rund 35 Jahren im Rahmen der Internationalen Jugendspiele (einer jährlich zwischen den Partnerstädten Aalborg, Lancaster, Vierzon und Rathenow reihum stattfindenden Großveranstaltung auf sportlicher Ebene) in meiner Rolle als erfolgreicher Leistungsschwimmer am Austausch teilnehmen durfte. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich mich an wirklich gar nichts mehr erinnert habe, als ich heute durch die Stadt gerollt bin. Da der Regen zu diesem Zeitpunkt dann auch gerade auf den Level „Sintflut“ anschwoll, machte ich mich dann auch kurzzeitig vom Acker.

Als nächstes wollte ich Blackpool anlaufen. Dieser Küstenort ist bekannt dafür, eine der Geburtsstätten für modernen Massentourismus zu sein. Mittlerweile ist hier – wie oft in Großbritannien – auch der Verfall sehr vorangeschritten. Die Touristen gehören wohl eher den unteren Einkommens- und Bildungsschichten an. Blackpool selbst „glänzt“ an der Promenade über Kilometer mit Spielhallen, Kuriositäten-Museen und Fastfoodhallen. Bekannt sind die drei Piers, die ebenfalls mit Spielhallen, Burgerbuden, Fahrgeschäfte und Los- und Schießbuden locken. Dazu gibt es einen der größten Freizeitparks Europas (in dem ich damals schon einmal auf der zu diesem Zeitpunkt größten Holzachterbahn Europas gefahren bin…).

Alles in Allem wirkt das Ganze sehr bemüht, furchtbar laut und ziemlich heruntergekommen. Das Klientel passt sich dem sehr gut an. Schon sehr, sehr trostlos…mag aber vielleicht auch am Wetter gelegen haben…aber auch nur vielleicht…

Ich bin dann weiter nach Liverpool gefahren. Zum heutigen (18. Juni) 80. Geburtstag von Sir Paul McCartney war mein erster Anlaufpunkt die Penny Lane (Titel eines Lieds der Beatles).

Ich bin dann mehrfach die Straße entlanggefahren, um das hübscheste Straßenschild zu finden (leider sind die alle beklebt, besprüht oder bemalt) und zwecks Fotos meine Dicke irgendwo zu parken. Als ich dann weiter wollte und mich zur Fahrt vorbereitete (Helm auf, Handschuhe an, Handy koppeln…), kamen zwei kleine Mädels angelaufen und fragen mich „Wie geht es Dir?“. Erstaunt antworte ich „Super!“, woraufhin die beiden zu Papa liefen, tuschelten und mit den Worten „Schön, Dich kennenzulernen“ wieder angelaufen kamen. Papa hatte am Kennzeichen gesehen, dass ich Deutscher war – und hatte seinen Mädels mal kurz ein paaar Brocken der deutschen Sprache vorgeplappert. Das fand ich sehr lustig – und wir haben dann noch kurz – allerdings auf Englisch – geplauscht (die drei sind auf den dritten Bild zu sehen).

Danach ging es dann in mein Domizil. Die Straße und das Gebäude haben etwas vom Bürgerkrieg, aber das Zimmer ist wirklich nett und gemütlich.

Morgen ist dann Mopped freier Tag und es geht durch Liverpool.

In diesem Sinne…

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