Herbsttour 2020: Tag 7 – Görlitz

Görlitz – schönste Stadt Deutschlands?

Ja, das könnte durchaus sein – und ich hatte mich ja bereits im letzten Jahr von der Schönheit Deutschlands östlichster Stadt überzeugen können.

Nun war ich dann erneut hier, diesmal mit Begleitung – und ich war überzeugt davon, mich an der Stadt noch nicht sattgesehen zu haben. Freund Christian war bis dato noch gar nicht hier gewesen.

Nachdem wir ein zünftiges Frühstück in unserer lobenswerten Unterkunft genossen hatten, strebten wir dann auch direkt los, um im Tourismus-Büro eine Stadtrundfahrt zu buchen. Diese sollte der Start zur Erkundung der Stadt sein. Sich quasi erst einmal einen Überblick verschaffen, um dann interessante Orte im Nachhinein gezielt noch einmal anzugehen.

Soweit die Planung, die natürlich keinerlei Bestand mehr hatte, als der mich begleitende Lehrer im Tourismus-Büro erfuhr, dass das von ihm als interessant erkorene Schlesische Museum zwar Montags geschlossen hatte, man aber sehr exklusive Führungen anbot. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich noch an Veräppelung oder zumindest einen satirischen Hintergrund, merkte aber bald, dass er es ernst meinte. Mein Einwand, dass man doch in solchen Heimat-Museen lediglich altes Geschirr und ein paar Trachten zu sehen bekäme, wurden von Christian und der Tourismus-Büro-Dame vehement bestritten und vom Tisch gewischt. Was wäre das doch toll, man würde dies und jenes sehen und auch bei mir würde sich innerhalb von Sekunden die Begeisterung breitmachen. Und somit wurde dann beschlossen, dass die Stadtrundfahrt zu warten hätte und zuerst dieses grandiose, ja geradezu fantastische Museum besucht werden sollte.

Also tappte ich, leise Proteste und letzte Umstimmungsversuche murmelnd dem Lehrer hinterher zum schlesischen Museum. Glücklicher Weise musste ich nicht weit laufen, da es lediglich wenige Meter entfernt war. Immerhin wirkte das Gebäude von außen recht hübsch. Auch die uns zur Seite gestellte Museumsführerin machte einen durchaus kundigen und sprachgewandten Eindruck. Sollten meine Zweifel unberechtigt gewesen sein und sich tatsächlich eine kulturelle Überraschung anbahnen?

Um es vorweg zu nehmen: Nein! Tatsächlich stellt das Museum die Langeweile von Schloss Moritzburg noch weiiiiiit in den Schatten. Meine Prophezeiungen hinsichtlich alten Geschirrs wurden geradezu episch erfüllt. Es gab Vitrinen, Schränke, ja gar Räume voll mit Tellern, Tassen, Töpfen, Vasen und sonstigen Mist aus Porzellan, Steinzeug, Emaille und Silber. Darüber Hinaus gab es wenig…naja, eigentlich nix. Da hing dann noch das eine oder andere Wappen, ein paar lustige Tintenfässer (laufen bei mir unter „Töpfe“) und einige Bilder aus der Zeit der Romantik, die ja bekanntlich – ich erwähnte es im Zusammenhang mit Schloss Moritzburg – alle völlig uninspiriert und austauschbar sind. Wäre die nette Museumführerin nicht so engagiert gewesen, ich wäre nach dem dritten Raum davongelaufen. Immerhin war das Geschirr hübsch illuminiert…

Leider konnte ich im Anschluss nicht einmal lästern, da mein lieber Freund von diesem Geschirrhaufen völlig beseelt und begeistert war.  Naja, wie unterschiedlich Geschmäcker doch sein können.

Immerhin mundete das nun folgende Mittagessen hervorragend – und bis zu „meiner“ Stadtrundfahrt war es auch nicht mehr weit…

Die Stadtrundfahrt wäre wenig erwähnenswert, außer dass sie solide gemacht und uns eine sehr adrette junge Busfahrerin mit atemberaubenden Dekolleté herumkutschierte (was ja eventuell dann doch erwähnenswert ist…😜😝). Nein, interessant machte diese Fahrt mit dem üblichen Halt bei der örtlichen Brauerei „Landskron“, im Schankraum eben dieser uns ein Lokalreporter um ein Interview nebst Fotos bat. Wo wir herkämen, was wir in Görlitz täten und wie wir die Brauerei fänden. Waren das die 15 Minuten Ruhm, die jeder Mensch in seinem Leben bekommt?

Nach Abschluss der Stadtrundfahrt legte ich mich zwecks Verarbeitung des morgendlichen Kulturschocks ein Stündchen ins Bett, während der beste Mitfahrer von allen noch einige Kirchen unter die Lupe nahm.

Den Abschluss bildete dann ein sächsisch-schlesisches Abendessen in einem netten Restaurant.

Für den nächsten Tag war dann der Abschied von Görlitz geplant – doch dazu später mehr…

Da es diesmal nur wenig Bilder gibt, verlinke ich mal den Bericht aus dem letztjährigen Sommer – sieht noch genau so aus…  😉

…und insgesamt ist Görlitz weiterhin eine Reise wert – ja, fast schon eine Pflicht…

In diesem Sinne…

MM

P. S.: …im schlesischen Museum gab es nicht einmal Trachten zu sehen 😳

1 comment on Herbsttour 2020: Tag 7 – Görlitz

  1. Das Schlesische Museum zu Görlitz ist jede Reise wert …

    und bietet neben einem eindrucksvollen Gebäude und schlesischer (Kultur)geschichte auch so manche unverhoffte Entdeckung!

    MM, unser allseits geschätzter Wortpoet hat in seiner -nicht gänzlich vorurteilsfreien Ablehnung- völlig übersehen, dass das Haus in seiner Dauerausstellung eine Brücke von der vergangenen schlesischen Handwerkstradition in unsere Gegenwart schlägt. Nur Töpfe, Teller und Tassen? Da gibt es noch ein klein wenig mehr zu entdecken: Die wechselhafte Geschichte Schlesiens als Spielball der umgebenden Machtzentren wird hier ebenso beleuchtet wie die Bereiche Industrie, Kunsthandwerk, bürgerliches Leben und Architektur. Durch geeignete Fotos und Dioramen erfuhren wir so zum Beispiel, dass die nächste gemeinsame Motorradtour auch zur Stadt Breslau führen sollte, um die dortigen Bauwerke im Bauhaus-Stil (!) zu bestaunen.
    Das Museumsgebäude ist dabei nicht nur von außen „recht hübsch“, wie MM leicht untertreibend ausführt – handelt es sich doch mit dem Schönhof um das älteste erhaltene deutsche Renaissance-Bürgerhaus. Auch von innen lässt der ehemalige Kaufmannshof die gelungenen Restaurierungsarbeiten der jüngsten Vergangenheit erlebbar werden und erzählt eine einzigartige Baugeschichte.

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