Kaum in Holland angekommen, ist der Urlaub auch schon fast wieder zu Ende.
Für den letzten Tag hatte ich mir überlegt, noch etwas durch die Straßenschluchten zu schlendern und mit einem Einkaufsbummel über die Shoppingmeile Lijnbaan zu verbinden.
Das Wetter spielte leidlich mit, zwar zeigte sich der Himmel bewölkt, aber immerhin war es trocken – und im Laufe des Tages sollte sich sogar ein paar Mal die Sonne (kurz) zeigen.
Der Weg in die City Rotterdams war wieder mal kein Vergnügen. Der allgegenwärtige Stau, die – sagen wir mal diplomatisch – kreative Fahrweise der Autos und die lebensmüden Radfahrer machten einem einmal mehr die Passage in die Innenstadt schwer. Dass dann noch das auserkorene Parkhaus aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen war und ich dann gezwungener Maßen noch einmal rund um den Innenstadtbereich fahren musste, hob meine Stimmung nur bedingt. Schließlich fand ich in einem Parkhaus mit 12 (!!!) Ebenen (also quasi einem Parkwolkenkratzer) ein Plätzchen für mein Auto und machte mich auf Richtung Einkaufsstraße „Lijnbaan“.
Die „Lijnbaan“ ist geschichtlich durchaus interessant, da sie 1953 die erste Fußgängerzone (im Kreis Dithmarschen übrigen „Gehstraße“ genannt) Europas war.
Abseits der Historie handelt es sich bei der Lijnbaan um eine Einkaufsstraße wie jede andere auch – mit Geschäften verschiedener großer Ketten, wie man sie auch überall findet. Ein paar Fast-Food-Buden sind dort ebenfalls eingestreut. Ganz originell ist die Beurstraverse – auch Einkaufs-Rinne genannt, die abgesengt von der Lijnbaan abzweigt und quasi im Kellergeschoß (allerdings nach oben offen) verläuft. Auch hier findet sich die übliche Ansammlung an Geschäften. Etwas heraus sticht das Kaufhaus „De Bijenkorf“, das mit einer Auswahl verschiedener Luxusmarken lockt. Hier wird nicht gekleckert, hier wird definitiv geklotzt – und zwar so, dass das KaDeWe dagegen wie eine Primark-Filiale wirkt.

Da mich irgendwie nichts zur Geldausgabe verführen konnte, spazierte ich durch die Straßenschluchten Rotterdams Richtung Bahnhof, der architektonisch auch sehr reizvoll sein sollte.

Die für europäische Verhältnisse nennenswert hohen Häuser beeindrucken schon. Den oft herangezogenen Vergleich mit New York möchte ich hier nicht aufrecht erhalten, das erscheint mir übertrieben, aber eine so geballte Ansammlung an Hochhäusern kenne ich selbst aus Frankfurt nicht. Klassisch schön ist es sicher nicht, hat aber schon einen gewissen Charme.

Der Bahnhof sieht in der Tat ziemlich abgefahren aus, auch wenn ich die angebliche Inspiration durch eine Haiflosse nicht ganz nachvollziehen kann – naja, ein gaaaaanz kleines Bisschen vielleicht.

Auf dem Weg zurück zum Auto musste ich mir dann ein letztes Mal das niederländische Nationalgericht Frietjes und Frikandel Speciaal gönnen.

In meiner Ferienkemenate wurde dann noch gepackt – und der letzte Abend mit ein paar Folgen „Seinfeld“ begangen. Der Versuch, mit „New Kids“ eine dem Urlaubsort angemessene (= niederländische) Serie zu gucken, scheiterte an unterirdischen Qualität des Machwerks.
Die nächsttägige Rückfahrt erfolgte ohne nennenswerte Zwischenfälle und stimmte mich dann im niederländischen Teil der Tour schon einmal auf meinen kommenden Dienstwagen ein. Das wird ein E-Auto – und somit haben sich lustige Etappen im 250-km/h-Expressstil dann ein Ende. Mitschwimmen bei 120 km/h heißt dann die Devise – und das kann man vermutlich nirgendwo besser als auf niederländischen Autobahnen lernen.

So, jetzt das Fazit:
Wie war es denn nun, das erste Mal mehrere Tage mit klarem Kopf in Holland?
Das Urteil fällt durchaus wechselhaft aus. Rotterdam an sich ist sicher ganz interessant, hat auch die eine oder andere hübsche Ecke und einige architektonische Schmankerl zu bieten.
Die Markthalle ist der Hammer, die Kubushäuser herrlich schräg (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Skyline durchaus beeindruckend (gerade im Dunkeln). Der gigantische Hafen verschlägt einem schier den Atem.


Dem gegenüber steht ein ständiges Verkehrschaos und nur wenig, was man als „klassisch schön“ ansehen könnte. Diesbezüglich gefiel mir Amsterdam weitaus besser.
Das Rotterdamer Umland hingegen mit Scheveningen, Hoek van Holland und vor Allem mit den Mühlen von Kinderdijk hat mir sehr gut gefallen.

Das Wetter hat es einem nicht einfach gemacht. Der vorherrschende Zustand war grau und nass, aber es gab auch einige sonnige Stunden. Der Temperaturbereich war breit gefächert.
Mit meinem Appartement hatte ich Glück. Vielleicht etwas skurril eingerichtet, war es gut und funktional ausgestattet, lag ruhig und bot ein großartig bequemes Bett.

Insgesamt ein paar sehr schöne Tage – aber ob ich noch einmal nach Rotterdam muss? Hmm, eher nicht… 🤷♂️
In diesem Sinne…

War wieder echt klasse Malte 🤩
Danke fürs Mitreisenlassen….